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Österreich
Katholische Jugendbewegung für Berufungen in Österreich

KIM

Altbischof Maximilian Aichern OSB, Linz
IN CARITATE SERVIRE
In Liebe dienen
Altbischof Maximilian Aichern, Linz,
erschließt sein bischöfliches Leitwort
Dem Nächsten in Liebe begegnen ist ein wesentlicher Teil unseres Menschseins und unseres Christ- seins. Der Wiener Kardinal Dr. Theodor Innitzer, der Bischof meiner Heimatdiözese, hatte den Wahlspruch „In caritate servire“. Dieses „In Liebe dienen“ haben wir bereits als Kinder und Jugendliche oft gehört und gedeutet. Das Wort stammt aus dem Galaterbrief: „Ihr seid zur Freiheit berufen ... dient einander in Liebel Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Gal 5,13). Der tiefste Grund für unsere Liebe und unseren Dienst ist das Beispiel Jesu. Der Dienst der Liebe und des Helfens setzt die heilende, rettende und helfende Zuwendung Jesu zu den Menschen, besonders zu den Armen und Hilfsbedürftigen, fort.
Lieben, wie Jesus geliebt hat
Das Evangelium formuliert Jesu Auftrag klar als Dienst in Liebe. Er legt uns keine lange Liste von Aufgaben vor, sondern fordert uns auf und lädt ein:
Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe. Gott ist es, der zuerst geliebt hat, ohne vorherige Verdienste oder Voraussetzungen von uns. Wir geben diese Liebe weiter, die uns geschenkt wurde. Die Nöte und Zeichen der Zeit sind immer auch ein Anruf Gottes, dem wir uns stellen wollen. Jesus hat uns das vorgelebt. Er hat uns ein Beispiel der totalen Hingabe bis zum Einsatz des Lebens gegeben.
Die Sorge für die Hilfsbedürftigen gehört zu den Grundaufgaben jedes Bischofs. Er muss unermüdlich darauf hinweisen und selbst ein Beispiel geben. Wir alle — Seelsorger und Gläubige — müssen für die Menschen da sein, ihnen zur Verfügung stehen, ihnen helfen durch die Verkündigung des Gottes- wortes, durch die Feier der Sakramente, durch die Dienste im Leben, besonders in den Nöten. Wir sind dabei in den Fußstapfen Jesu.
Diakonie, Dienst an den Menschen ist eine der drei Grundaufgaben der Kirche - neben der Glaubens- verkündigung und der Feier der Liturgie. Sie ist Ausdruck der Brüderlichkeit, einer geschwisterlichen Lebenshaltung, der gegenseitigen Verantwortung und der Bereitschaft zu teilen. Sie ist die Antwort auf die vielfachen Nöte unserer Zeit, besonders auch auf das Grundbedürtnis aller Menschen nach Angenommenwerden, nach Gemeinschaft, zu der Geben und Nehmen gehören. Indem wir mit anderen teilen, wird uns viel gegeben. Die Liebe, mit der wir dem Nächsten begegnen, besteht nicht nur in der liebevollen, freundlichen Grundhaltung den Mitmenschen gegenüber und nicht nur in konkreter Hilfe für einzelne und betroffene Gruppen. Sie muss sich auch darum bemühen, die Ursachen von Not abbauen zu helfen. Es geht darum, in einer Leistungsgesellschaft den Blick für die Schwächeren zu schärfen, für Menschenwürde und Gerechtigkeit einzutreten. Wenn ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung von Armut bedroht ist, darf das die anderen nicht gleichgültig lassen. Wir bemühen uns derzeit in Osterreich, durch ein ökumenisches Sozialwort zur Sensibilisierung für die Sozialanliegen beizutragen.
Grundlegende Glaubensfrage
Das Erlösungsgeheimnis bedeutet nicht die automatische Beseitigung von Elend, Leiden, Tod und Bedürftigkeit. Jesus hat das alles angenommen, mit uns geteilt und uns so den Weg zur Uberwindung und zu einem neuen Leben gezeigt und hilft uns dabei. Jesus sagt an mehreren Stellen: So wie ich euch geliebt habe, wie Gott euch liebt, so sollt auch ihr einander lieben. Das innerste Wesen christlicher Liebe ist es also, die unglaubliche Liebe Gottes in sich Wirklichkeit werden zu lassen. So wie Jesus das sichtbare Zeichen und Werkzeug der Liebe und totalen Zuwendung Gottes war, so hat er seiner Kirche, der Gemeinschaft der an ihn Glaubenden den Auftrag und die Sendung gegeben, Sakrament der Liebe Gottes in der Welt zu sein. Manche Theologen sprechen aufgrund des Evangeliums vom letzten Gericht (Mt 25, 31-46) von einem „besonderen Christussakrament“ in den Armen, Kranken, Fremden und Gefangenen. Das Wort des Herrn „Ich war arm....“ und „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan“ erinnert uns daran, dass Jesus nicht nur als Helfender, Tröstender, Heilender, sondern auch als Hilfsbedürftiger bis ans Ende der Zeiten mitten unter uns ist. Man spürt die Verwandtschaft zur eucharistischen Gegenwartsformel „Das ist mein Leib“. Jesus sagt uns auch: „Der Arme, das bin ich, der Kranke, das bin ich...“