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Österreich
Katholische Jugendbewegung für Berufungen in Österreich

KIM

Christoph Kardinal Schönborn, Wien
VOS AUTEM DIXI AMICOS
Ich aber habe euch Freunde genannt
Kardinal Christoph Schönborn, Wien,
erschließt sein bischöfliches Leitwort
Als ich im Jahr 1991 die Nachricht erhielt, der Heilige Vater habe mich zum Bischof ernannt, ging mir immer wieder ein Wort des Herrn durch den Sinn: Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde (vgl. Joh 15,15)
Das Wort steht in den Abschiedsreden. in denen Jesus dem kleinen Kreis seiner Jünger sein Vermächtnis anvertraut. Was er ihnen in dieser Stunde anvertraut sollen sie an alle kommenden Generationen weitergeben, die auf ihr Wort hin an Christus glauben werden (vgl Joh 17,20). So ist das Vermächtnis zugleich Auftrag und Sendung; es wird zum bestimmenden Inhalt ihres Amtes
In dieser Nacht vor seinem Leiden spricht Jesus die, die er selber ausgewählt hat und denen er Auftrag und Autorität gibt, als seine Freunde an- Er erklärt: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt, denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe (Joh 15, 15).
Nur Freunden vertrauen wir unser Kostbarstes an. Jesus hat den Jüngern sein Kostbarstes anvertraut: die Worte des Vaters: das was Gott der Welt zu sagen hat und was nur der Sohn kennt, weil er allein den Vater kennt —diese ‚Worte des ewigen Lebens!! (Joh 6,68) hat Jesus seinen Jüngern anvertraut. Darum sind sie seine Freunde. Ihnen traut er zu, sie weiterzugeben, sie allen Menschen aller Zeiten zu sagen- Jesus hat ihnen damit unfassbares Vertrauen geschenkt und zugleich eine einzigartige Autorität übertragen- Beides aber kommt von Ihm! nicht aus ihnen selbst. Jesus sagt es ihnen! und sein Wort gilt bis heute: Nicht ihr habt mich erwählt sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt“ (Joh 15,16). Er hat uns zu seinen Freunden gemacht, und Er hat uns Auftrag und Sendung gegeben. In denselben Abschiedsreden heißt es auch: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,5).
Was für ein unfassbares Vertrauen! Christus hat sein Wort, seinen Leib, seinen Geist, sich selbst den Aposteln anvertraut. Nur so ist begreiflich, warum sein Wort gelten soll, das er den Zwölfen und so auch ihren Nachfolgern, den Bischöfen gesagt hat: „Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf“ (Mt 10,40; vgl. Lk 10,16; Joh 13,20). Nur so können wir es wagen, mit dem Konzil zu sagen: „In den Bischöfen ist ja Christus, der Hohepriester, inmitten seiner Gläubigen gegenwärtig“ (LG 22). Objektiv gilt dieser Anspruch gerade nicht wegen unserer besonderen Talente und Eignungen, sondern weil Christus sich seinen Aposteln anvertrauen wollte, um durch sie gegenwärtig und wirksam zu bleiben, „alle Tage, bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20). Die Größe dieser Autorität ist aber zugleich der stärkste Ansporn, der Freundschaft Christi durch Gegenliebe zu antworten. Hier liegt der innere Anspruch auf die heute so sehr erwartete persönliche Glaubwürdigkeit des Amtsträgers. Jesus zeigt die innere Notwendigkeit unserer persönlichen Entsprechung:
„Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage“ (Joh 15,14). Das Geschenk des Vertrauens drängt zur Antwort, es ruft den Menschen heraus, diesem Vertrauen gerecht zu werden, der Freundschaft mit Freundschaft zu antworten, der Hingabe mit Hingabe. „Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben hingibt für seine Freunde“ (Joh 15,13). Wer dies erkannt hat, kann kein bloßer Beamter Christi bleiben wollen. Er wird mit Paulus sagen: „Die Liebe Christi drängt uns“ (2 Kor 5,14). Er wird vom Verlangen erfüllt sein, nicht nur sein Amt gut zu verwalten, sondern selbst sein  Leben zu geben, damit Christus dorthin gelangt, wo er hinkommen will: zu allen Menschen. Denn alle sind zur Freundschaft mit Gott in Christus Jesus geladen. Allen ist das Wort Jesu zugedacht: „Euch aber habe ich Freunde genannt.“